IG Metall Homburg-Saarpfalz
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23.09.2019, 18:09 Uhr

Tarifliches Freistellungsmodell erfolgreich gestartet

  • 14.12.2018
  • Aktuelles

99,9 % der Anträge auf Freischichten wurden bislang genehmigt

Der Tarifabschluss der IG Metall für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie vom Februar dieses Jahres enthält neue Regelungen über tarifliche Freistellungsmöglichkeiten. Die Umsetzung dieser tariflichen Regelung wird derzeit in den Betrieben verhandelt.

Konkret regelt der Tarifvertrag für Beschäftigte mit entsprechender Betriebszugehörigkeit, die Kinder betreuen, Familienmitglieder pflegen oder in Schichtmodellen arbeiten, die Möglichkeit, eine neue tarifliche Sonderzahlung in 8 zusätzliche freie Tage zu wandeln. Die notwendigen Anträge konnten von den Beschäftigten bis zum 31.10. gestellt werden.

In den 12 Betrieben der Metall- und Elektroindustrie im Bereich der IG Metall Geschäftsstelle Homburg-Saarpfalz erfüllen 6.730 Beschäftigte die tariflichen Anspruchsvoraussetzungen. Davon haben 4.071 Beschäftigte fristgerecht einen Antrag auf Wandlung gestellt. Dies entspricht einer Quote von rund 60 Prozent.

Ralf Reinstädtler, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Homburg-Saarpfalz, erklärt hierzu:

„Die hohe Zahl der Anträge auf Wandlung bestätigt die Ergebnisse der Beschäftigtenbefragung der IG Metall vom vergangenen Jahr und ist nicht überraschend. Es ist keine wirkliche Neuigkeit, dass viele Beschäftigte von ihrem Arbeitgeber eine größere wertschätzende Arbeitszeitflexibilität erwarten, auch wenn es um die eigenen Interessen und Bedürfnisse geht. Wenig überraschend ist auch, dass viele Mitarbeiter insbesondere in belastenden Schichtmodellen an die Grenzen ihrer Belastungsfähigkeit gelangen und sich eine Entlastung durch die zusätzlichen freien Tage versprechen. Der IG Metall ist mit dem aktuellen Tarifabschluss ein erster kleiner aber wichtiger Schritt für mehr persönliche Arbeitszeitautonomie und eine geringere Arbeitsentlastung gelungen.“

Der Tarifvertrag sieht weiterhin vor, dass Betriebsrat und Arbeitgeber bis zum Ende des Jahres die Umsetzung der Anträge zu erörtern haben. Bei betrieblicher Notwendigkeit ist das entfallende Arbeitszeitvolumen betriebsintern auszugleichen.

Diese Gespräche sind zwischenzeitlich in 11 von 12 Betrieben in der Region Saarpfalz abgeschlossen. Somit besteht für die meisten Beschäftigten Klarheit, wie es um die Bewertung und Genehmigung ihrer Anträge steht. In diesen 11 Betrieben haben insgesamt 3.862 Beschäftigte fristgerecht einen Antrag auf Wandlung gestellt und erfüllen die im Tarifvertrag vorgesehenen Anspruchsvoraussetzungen. Von diesen Anträgen wurde bislang in 3.857 Fällen eine Genehmigung in Aussicht gestellt. Lediglich bei TLT-Turbo GmbH in Zweibrücken wurden 5 Anträge abgelehnt.

Ralf Reinstädtler, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Homburg-Saarpfalz, erklärt hierzu:

„Unsere Betriebsräte haben in den letzten Wochen im Sinne unseres Tarifvertrages einen hervorragenden Job gemacht. Das Ergebnis spricht für sich. Wenn im nächsten Jahr 99,9 Prozent der anspruchsberechtigten Antragsteller ihre acht zusätzliche freie Tage genießen können, dann kann man durchaus von einer gelungenen Umsetzung des Tarifvertrages sprechen.

Dies freut mich umso mehr, da der saarländische Arbeitgeberverband in den letzten Wochen wiederholt versucht hat, den Tarifabschluss mit waghalsigen Auslegungen zu unterlaufen. Ziel war es anscheinend, die Mitarbeiter zu verunsichern und schlechte Stimmung gegen den Tarifvertrag zu machen. Die Ergebnisse in den Betrieben zeigen, dass dies nicht gelungen ist. Es ist nicht verwunderlich, dass durch die Beratung mit unseren Betriebsräten in den Betrieben festgestellt wurde, dass die Umsetzung der tariflichen Freischichtregelungen mit den bekannten flexiblen Arbeitszeitregelungen möglich ist.  

Außerdem ist es unseren Betriebsräten in fast allen Betrieben gelungen die tariflichen Regelungen weiter zu verbessern. So wurde die Anwendung der Tarifregelung in vielen Betrieben auf Teilzeitbeschäftigte erweitert. Auch die Fristenregelungen wurden teilweise ausgeweitet und die Zugangsvoraussetzungen wurden in einigen Betrieben abgesenkt. Dadurch können in vielen Betrieben weitere Mitarbeiter von den tariflichen Regelungen profitieren. Hier zeigt sich, dass viele Personalabteilungen die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter erkannt haben und die Umsetzung des Tarifabschlusses konstruktiv begleiteten.

Bei ThyssenKrupp Gerlach in Homburg ist das Thema dagegen noch nicht vom Tisch. Hier finden nächste Woche weitere Gespräche mit dem Betriebsrat und der IG Metall zur Umsetzung des Tarifvertrages statt. Wir hoffen, dass im Management ein Umdenken einkehrt und man erkennt, dass auch von solchen Themen die Attraktivität als regionaler Arbeitgeber abhängig ist. Vielleicht könnte man sich dann manche Großflächenplakatierungen zur Rekrutierung neuer Mitarbeiter ersparen. Bei ThyssenKrupp Gerlach werden hohe Anforderungen an die Arbeitszeitflexibilität der Mitarbeiter gestellt. In den letzten Jahren wurde fast jeder Feiertag in Mehrarbeit produziert, die Schichtmodelle mehrfach unterjährig angepasst. Von daher ist es für die Beschäftigten und den Betriebsrat nicht zu verstehen, dass bei der von ihnen abgeforderten Flexibilität, kein ausreichender Spielraum bleibt, die tariflichen Regelungen im Sinne der Mitarbeiter umzusetzen.“


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